
Weltelite und Schachamateure spielen Schulter an Schulter gemeinsam in einer Halle. Das macht das grenke Schachfestival so besonders. Über Ostern kamen 3658 Schachspielerinnen und Schachspieler, so die offizielle, von Turnierdirektor Sven Noppes verkündete Zahl, in die Karlsruher Schwarzwald- und Gartenhalle, um Teil des wohl größten offenen Schachturniers der Welt zu sein.
Wie schon bei der Premiere im letzten Jahr konnte man zwischen Freestyle und klassischem Schach wählen, wobei das Freestyle-Turnier in diesem Jahr noch attraktiver war, weil der Sieger des A-Turniers nicht nur 60000 Euro Preisgeld einstreichen, sondern sich auch für die nächste Freestyle-Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Für Spielerinnen lohnte sich die Teilnahme sogar noch mehr, da für sie gleich 3 Plätze für die kommende Freestyle-Weltmeisterschaft der Frauen ausgelobt waren. Die hohe Attraktivität des Turniers lockte zahlreiche Weltklassespieler und -spielerinnen an, angeführt vom Weltranglistenersten Großmeister Magnus Carlsen und dem besten deutschen Spieler, Großmeister Vincent Keymer. Auch weitere Spitzenkönner, wie die Großmeister Ian Nepomniachtchi, Nodirbek Abdusattorov, Hans-Moke Niemann, Maxime Vachier-Lagrave und Levon Aronian, um nur die bekanntesten zu nennen, gehörten zu den Teilnehmern.
Im letzten Jahr holte sich noch Magnus Carlsen überlegen den Turniersieg, doch diesmal hatte Vincent Keymer die Nase vorn und gewann das grenke Freestyle Chess Open vor dem punktgleichen Maxim Vachier-Lagrave.
Die Quali-Plätze für die Freestyle-WM der Frauen sicherten sich Großmeisterin Harika Dronavalli, Frauengroßmeisterin Alua Nurman sowie die beste deutsche Spielerin und Internationale Meisterin Dinara Wagner.
Die Qualität des klassischen grenke Chess Open litt trotz des hohen Preisgelds von 20000 Euro für den Sieger etwas unter der übermächtigen Konkurrenz des Freestyle-Turniers. Dennoch nahmen einige hochkarätige Großmeister teil, angeführt von Pavel Eljanov, der eine ELO-Wertung von fast 2700 Punkten aufwies. Gewonnen wurde das Turnier jedoch von einem Underdog, dem usbekischen Internationalen Meister Mukhammadzokhid Suyarov.
Die Forster Teilnehmer Karl Dauner, Arthur Garcia und Rafael Yurten spielten alle im B-Open mit klassischer Figurenaufstellung mit. Der ehemalige Forster Spitzenspieler, FIDE-Meister Benedikt Dauner, startete im A-Open, bevor er nach der 3. Runde mit sehr gutem Erfolg ins Freestyle-A-Open wechselte. In den letzten beiden Runden schlug Benedikt zunächst den Nationalspieler und Großmeister Niclas Huschenbeth und spielte anschließend gegen die wertungsstärkste Frau, Großmeisterin Alexandra Kosteniuk, Remis.
Für Karl Dauner lief es diesmal besser als im Vorjahr. Er startete mit 5 Punkten aus 6 Partien hervorragend ins Turnier und konnte sich Hoffnungen auf den Seniorenpreis machen.
In der 7. Runde traf Karl auf den späteren Sieger der Seniorenwertung. In dieser vorentscheidenden Begegnung ließ er leider mehrere Gewinnmöglichkeiten aus, auch weil er die letzten 30 Züge der über 60-zügigen Partie nur vom Inkrement lebte, und verlor am Ende sogar noch. Sein französischer Gegner lobte ihn zwar mit den Worten "You are a big fighter", aber der Punkt wäre ihm lieber gewesen. Um den 27. Zug herum gab es einen Moment beidseitiger Schachblindheit.
Auch in der 8. Runde hatte Karl sehr gute Siegschancen, wählte aber den falschen Plan und spielte nur Remis, ebenso wie in der letzten Runde, in der die Luft etwas raus war. Mit der Ausbeute von 6 Punkten aus 9 Partien war Karl einigermaßen zufrieden, auch wenn er wegen der schwächeren Gegnerschaft nur ein ein paar wenige Wertungspunkte dazugewinnen wird.
Bei Arthur glich der Turnierverlauf zu Beginn einer Achterbahnfahrt, bei der sich Siege gegen Wertungsschwächere und Niederlagen gegen Wertungsstärkere abwechselten. In den folgenden Runden erzielte er dann mit 3 Punkten aus 5 Partien einen positiven Score. Vielleicht lag es ja am zusätzlichen Energieschub durch das üppige Mittagessen im "Schwarzen Kater", dem ehemaligen "Litfaß".
Am Ende kam Arthur mit 5 Punkten aus 9 Partien auf ein positives Ergebnis, auch wenn er damit wohl nicht ganz glücklich sein wird.
Mit einer ganz anderen Dramaturgie verlief das Turnier für Rafael. Nach bescheidenem Start mit nur einem Punkt aus den ersten 4 Runden, drehte er richtig auf und legte mit 4 Punkten aus den folgenden 5 Partien einen tollen Schlussspurt hin, der ihn ebenfalls auf 5 Punkte brachte. Trotz dieser guten Leistung wird Rafael einige ELO-Punkte von seiner (zu) hohen Wertung abgeben müssen, dürfte aber im Gegenzug bei der DWZ-Zahl deutlich zulegen.
Das grenke Schachfestival war wieder ein tolles Erlebnis für alle Schachbegeisterten, sowohl für Teilnehmende als auch für Zuschauende, welches ohne die großzügigen Sponsoren und die vielen Helfer im Hintegrund nicht möglich wäre. Herzlichen Dank dafür!
Zum Schluss noch ein Zitat von Großmeister Peter Leko, dem der Berichterstatter nur zustimmen kann:
„Das grenke Schachfestival ist das Schachturnier, bei dem jeder Spieler in seinem Leben einmal mitgespielt haben muss.“
Bericht und Bilder: Karl Dauner
Der Eingang zu unserem Vereinsraum im 2.OG befindet sich links, zwischen dem Rathaus und dem alten Feuerwehrhaus.