Grenke Chess Open 2017 mit Forster Beteiligung
Über die Osterfeiertage fand in der Karlsruher Schwarzwaldhalle und der angrenzenden Gartenhalle das Grenke Chess Open 2017 statt. Mit über 1200 Teilnehmern war es das bisher größte offene Schachturnier Deutschlands und wohl auch der Welt.
Die Teilnahme von Magnus Carlsen am Einladungsturnier Grenke Chess Classic, das ab Samstag ebenfalls in der Schwarzwaldhalle ausgetragen wurde, sorgte für einen zusätzlichen Schub bei der Teilnehmerzahl. Wann hat unsereins sonst die einmalige Gelegenheit, mit dem amtierenden Weltmeister im selben Turniersaal zu spielen?

Genügte bei der ersten Austragung des Turniers im Vorjahr noch die Schwarzwaldhalle für die knapp 1000 Spieler, so musste in diesem Jahr auch noch die Gartenhalle angemietet werden. Der zusätzliche Platz sorgte allerdings für hervorragende Spielbedingungen. Für jedes Brett stand ein Einzeltisch zur Verfügung und das komplette A-Turnier, ein Großteil des B-Turniers, sowie die 10 Spitzenpaarungen des C-Turniers spielten mit schönen Holzfiguren und Holzbrettern. Das war nur möglich durch das Engagement der Firma Schachversand Niggemann, die den Großteil des Spielmaterials stellte.
Schwarzwaldhalle

Gartenhalle

Alle Spiele des Großmeisterturniers und die Spitzenbegegnungen des A-Turniers wurden live in beide Hallen übertragen, so dass sich jeder, wenn es die eigene Partie zuließ, über die Züge der Weltelite informieren konnte. Ein netter Service des Ausrichters.
Auch fünf Forster Schachfreunde waren Teil dieses großartigen Mega-Events. Im A-Turnier, für das nur Spieler mit einer ELO- oder DWZ-Zahl von mindestens 1800 Punkten berechtigt waren, starteten Gerhard Brückel, Karl Dauner und Benedikt Dauner. Im B-Turnier, das offen für Spieler mit einer Wertungszahl kleiner als 2000 war, traten Julian Dauner und Norbert Weber an.
Das A-Turnier war mit 688 Teilnehmern, darunter allein 234 (!) Titelträgern sowohl quantitativ als auch qualitativ außerordentlich stark besetzt. Hier war unser jüngster Teilnehmer Benedikt Dauner zugleich der erfolgreichste. Mit tollen 4 Punkten aus 9 Partien gegen ausnahmslos deutlich stärkere Gegner verbesserte sich unser Shooting-Star um 240 Plätze gegenüber der Startrangliste. Diese grandiose Leistung brachte ihm fette 122 DWZ-Punkte ein und hob seine nationale Wertungszahl auf stattliche 1833 an. Da haben sich die vielen Stunden, die Benedikt vor dem Turnier in die Vorbereitung investiert hat, wirklich ausgezahlt. Bravo und weiter so!
Benedikt Dauner

Auch Karl Dauner kam gegen starke Gegnerschaft, darunter 3 Titelträger, auf sehr gute 4 Punkte. Damit konnte er seinen Startplatz um 162 Plätze und seine DWZ-Zahl um 52 Punkte steigern. Dennoch war Karl etwas betrübt über seine ausgelassenen Chancen in der 7. und 8. Runde. Beide Partien gingen verloren, obwohl er in der einen Vorteil hatte und in der anderen total auf Gewinn stand. Als kleiner Trost kam da der 8-zügige Kurzsieg in der 9. Runde gerade recht. So hatte Karl den restlichen Nachmittag über viel Zeit, in Ruhe die Partien des Grenke Chess Classic zu genießen, die von GM Klaus Bischoff wie immer launig und kurzweilig kommentiert wurden.
Karl Dauner (r)

Für Gerhard Brückel verlief das Turnier nicht wunschgemäß. Zu selten gelang es ihm, seine guten Stellungen in Punkte umzumünzen. Mit den erzielten 3 Punkten war Gerhard nicht ganz zufrieden. Am Ende fehlte ihm ein halber Punkt, um Startranglistenplatz und DWZ-Zahl zu bestätigen.
Das B-Turnier residierte in der Gartenhalle, die direkt an die Schwarzwaldhalle angrenzt und den 384 Teilnehmern mehr als ausreichend Platz bot.
Julian Dauner startete hier vielversprechend mit 3 Siegen und hielt sich auch in der Folge stets in der erweiterten Spitzengruppe auf. Da die ersten 20 Bretter im Turniersaal der Schwarzwaldhalle aufgebaut waren, durfte er zur Belohnung mehrfach im selben Raum mit unserem weltmeisterlichen Vordenker über seine Züge grübeln.
Julian Dauner (r)

Kurioserweise kamen bei Julian in den ersten 6 Runden nur 2 verschiedene Eröffnungen aufs Brett, erst danach gab's mehr Abwechslung im Speiseplan. Nicht, dass ihn das störte, denn schließlich handelte es sich um seine beiden Lieblingseröffnungen.
In Runde 7 brachte Julian das Kunststück fertig, in noch weniger Zügen zu gewinnen, als sein alter Herr zwei Runden danach. Bereits nach 7 Zügen war das erstickte Springer-Hilfsmatt-Werk vollbracht. Sein fast 80-jähriger Gegner nahm es mit Humor und erheiterte seine Umgebung mit dem Spruch: "Man wird alt wie 'ne Kuh, aber lernt immer noch dazu."
Mit 6,5 Punkten aus 9 Partien belegte Julian am Ende einen hervorragenden 21. Platz, 49 Plätze besser als prognostiziert. Oben drauf gab es noch satte 54 DWZ-Punkte Zugewinn. Super!
Norbert Weber erzielte 3,5 Punkte, haderte aber in der einen oder anderen Partie mit den gemachten Fehlern. Mit seinem Abschneiden durfte er dennoch zufrieden sein. Zwar konnte er seinen Startplatz gemäß internationaler ELO-Zahl nicht ganz bestätigen, aber seine Leistung nach nationaler DWZ-Wertung war in Ordnung.
Für Interessierte, die nicht live dabei sein konnten, bietet die Homepage www.grenkechessopen.de viele Videos, Bilder und Berichte rund um dieses einmalige Turnier.

Der Sieger des A-Turniers Nikita Vitiugov hier beim Spiel gegen Zdenko Kozul in der letzten Runde. (1/2-1/2)


Bericht: Karl Dauner, Fotos: G. Brueckel